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Zwangsernährung
Der Begriff “Zwangsernährung” ist ein recht häßlicher Ausdruck, da ja Zwänge negative Assoziationen auslösen. In diesem Fall handelt es sich aber um eine essentielle Hilfeleistung für das Tier. Zu den Symptomen bestimmter Krankheiten (z. B. IBD) zählen Phasen der Appetitlosigkeit (Anorexie). Im Allgemeinen sagen Tierärzte, daß Katzen nicht viel länger als 24 Stunden hungern sollten, da sonst die Leber in Mitleidenschaft geraten kann. Es kann auch vorkommen, daß die Katze nicht gar nichts frißt, sondern einfach zu wenig. Dem kann man ja ein paar Tage zusehen, aber das Tierchen wird relativ schnell abmagern. Und gerade bei IBD können Katzen extrem abmagern - wodurch sie dann wieder geschwächt und anfällig für weitere Krankheiten sind, die zwar eigentlich vielleicht eher harmlos sind, in diesem Fall dann aber sogar zum Tod führen können.
Es kann also vorkommen, daß Sie sich eine alternative Fütterung überlegen müssen. Auf alle Fälle gilt: Wenn Ihre Katze keinen Appetit hat, müssen Sie auf jeden Fall mit ihr den Tierarzt aufsuchen, denn dann stimmt wahrscheinlich etwas nicht. Stellen Sie keine Diagnosen auf eigene Faust, und warten Sie nicht zu lange. Achten Sie insbesondere darauf, ob es sich wirklich um Appetitlosigkeit handelt oder ob Ihr Schützling einfach ein neues Futter will.
Nun aber zurück zur eigentlichen Problematik: Wie soll man das Futter in eine Katze bekommen, obwohl sie es nicht will und ohne sie zu quälen?
Die Lösung
Verflüssigen der Katzennahrung (Naßfutter) und diese ins Mäulchen spritzen Besorgen Sie sich zunächst in der Apotheke eine normale 5-ml-Spritze (ohne Nadel!). Manchmal gibt es hierzu auch kurze, biegsame “Verlängerungen” zum Aufstecken (hat evtl. auch Ihr Tierarzt). Müssen Sie ein ganz bestimmtes Futter verabreichen, haben Sie wohl keine andere Wahl. Falls das nicht der Fall ist, wählen Sie eine Naßfuttersorte, die möglichst keine große, ganze Brocken hat, sondern eher breiig ist. Sind Sie auf Nahrung mit Brocken angewiesen (z. B. bei einer IBD-Katze Royal Canin Sensitivity Control), können Sie diese mit einem Pürierstab zu Brei machen. Das ist dann halt ein Arbeitsschritt mehr, aber nicht tragisch. Die Futtermenge, die Ihre Katze über den Tag verteilt bekommen soll, hängt von mehreren Faktoren ab, z. B. ihr normales Körpergewicht, ob sie eine reduzierte Futtermenge zu sich nehmen sollte, um den Magen zu schonen, usw. Zunächst ist zu empfehlen, mehrmals täglich jeweils 20 - 25 Gramm auf einmal zu verfüttern, da ein Spritzen von Nahrung ziemlich zeitaufwendig und unter Umständen nervenaufreibend ist (zumindest am Anfang).
Vorgehensweise
1. Verflüssigung des Futters Wenn Sie beispielsweise 20 g verfüttern möchten, wiegen Sie lieber 25 - 30 g ab, da etwas daneben gehen kann und auf jeden Fall Bröckchen übrig bleiben, die sich nicht mit der Spritze aufziehen ließen, da sie in der Konsistenz zu grob waren. Plazieren Sie das Futter in der Mitte einer herkömmlichen Futterschale, und lassen Sie ein klein wenig lauwarmes Wasser einlaufen. Bei einer Schale mit ca. 10 cm innerem Durchmesser nur so viel, bis der Boden ein wenig mit Wasser bedeckt ist. Nehmen Sie dann eine Kuchengabel oder einen Löffel, und verreiben Sie die Masse im Wasser. Das Futter wird relativ schnell flüssig. Kippen Sie auch ab und zu die Schale, lassen sie das Wasser sammeln und zerdrücken Sie gröbere Körner mit der Gabel bzw. dem Löffel.
2. Aufziehen mit der Spritze Man sollte meinen, dieser Schritt wäre so simpel, daß er nicht gesondert beschrieben werden muß, aber ich kann aus persönlicher Erfahrung bestätigen, daß auch hier einige Tücken lauern. Hat das Futter die nötige Konsistenz, positionieren Sie das Futterschälchen schräg auf einem Tisch (stellen Sie z. B. ein Ende davon auf einem Teller oder die Küchenwaage auf). Halten Sie das Ende der Spritze in die Futterflüssigkeit, und ziehen Sie sie langsam auf. Es empfiehlt sich, vorher den biegsamen Aufsatz (falls vorhanden) von der Spritze zu entfernen, da er noch dünner ist, und leichter verstopfen kann. Wenn Sie die Spritze durch das langsame Aufziehen komplett voll bekommen, ist alles in Ordnung. Dies wird jedoch nicht immer der Fall sein - insbesondere, wenn es gegen das Ende der Futtermenge zugeht und die Bröckchen größer werden. Sie werden möglicherweise feststellen, daß sich die Spritze nicht weiter aufziehen läßt, obwohl Sie sie eigentlich noch viel weiter aufziehen könnten. In diesem Fall hat sich wohl ein Futterbröckchen vorne an der Spritze festgesetzt. Entfernen Sie ihn mit dem Finger, und ziehen Sie die Spritze weiter auf.
3. Verbreichen des Futters Gehen Sie ruhig auf den Patienten zu. Keine Hektik. Falls es nicht gleich klappt - ruhig bleiben! Wie Sie Ihren Schatz anfassen, ist sehr unterschiedlich und hängt vom jeweiligen Charakter ab. In der Regel läßt sich empfehlen, sich vor die sitzende Katze zu knien, sie am Nacken zu greifen und diesen nach hinten und oben zu ziehen, bis sich das Mäulchen öffnet. Sie können sich aber auch hinter sie knien, sie zwischen die Beine nehmen und dann “von hinten” vorgehen. Dann vorsichtig die Spritze von der Seite im Mundwinkel einführen - auf keinen Fall grob sein, da Sie sonst Verletzungen verursachen könnten. Drücken Sie die Spritze einfach sanft an den Mundwinkel. Irgendwann öffnet sich dann das Mäulchen.
4. Flüssigkeit in mehreren Schritten einspritzen! Spritzen Sie auf keinen Fall den Inhalt der Spritze auf einen Schlag komplett rein! Katzen können nur ganz winzige Mengen an Flüssigkeit schlucken, d. h. wenn man zu forsch vorgeht, kann sich die Katze verschlucken oder anfangen zu würgen. Auch nicht die Hälfte der Spritze auf einmal. Fangen Sie in ganz, ganz kleinen Schritten an und lassen Sie Ihrem Liebling beim Schlucken und Kauen Zeit.
5. Flüssigkeit nicht zu weit hinten ins Mäulchen spritzen! Dies könnte nämlich dazu führen, daß die Katze das “in den falschen Hals” bekommt und unter Umständen sogar daran erstickt!
6. Mehrere Etappen Selbstverständlich bekommen Sie nicht das ganze Futter in eine einzige Spritze, d. h. Sie müssen in mehreren Etappen vorgehen. Dies ist aber auch gut so, da es Ihnen und Ihrer Katze eine Verschnaufpause verschafft.
7. Loben Wenn Sie mit einem Gang fertig sind, loben Sie Ihren Schatz und gönnen Sie ihm eine Schmeicheleinheit.
8. Bei Mißerfolg nicht verzagen Wenn die beschriebene Methode nicht gleich auf Anhieb klappt, geben Sie nicht auf. Übung macht den Meister und jede Katze erfordert eine individuelle Herangehensweise. Irgendwann stellt sich dann der Erfolg ein. Am Anfang werden Sie sich vielleicht fragen, wie das funktionieren soll, wenn alleine 20 oder 25 Gramm Futter schon so viel Arbeit machen, und man dann mehrmals täglich diese Menge verabreichen muß, um auf die gewünschte Futtermenge zu kommen. Aber sowohl Sie als auch Ihre Katze werden schon bald Routine darin bekommen, und die Sache wird weniger Zeit in Anspruch nehmen, als noch am Anfang.
Wichtige Hinweise: a) Bevor Sie Ihre Katze auf diese Weise füttern, konsultieren Sie unbedingt Ihren Tierarzt (besuchen Sie ihn mit Ihrer Katze), und fragen Sie ihn ruhig, ob er es für angebracht hält. Mit Appetitlosigkeit ist nicht zu spaßen, ohne tierärztlichem Rat sollte nicht irgendwie herumexperimentiert werden.
b) Für etwaige Verabreichungs- oder Anwendungsfehler, die zu Schäden/Verletzungen bei Ihrem Haustier führen, übernehme ich keinerlei Haftung. Ich schildere hier nur Verfahren, die aus eigener Erfahrung funktioniert haben, und keine Prozedur, die hundertprozentig zum Erfolg führt. Ich weise in diesem Zusammenhang explizit auf den Disclaimer dieser Website hin (s. “Haftungsausschluß”).
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