Zu Tierärzten... Spock

Umgang mit Tierärzten

Tips, wenn Ihre Katze einmal schwerer krank ist

Ich möchte ausdrücklich vorweg schicken, daß ich im Folgenden nicht das Bild vermitteln möchte, daß alle Tierärzte keine Ahnung haben. Das ist nicht meine Meinung. Ich habe sowohl exzellente als auch schlechte Tierärzte kennengelernt.
Aber es ist wichtig zu wissen, daß man ihnen nicht blind vertrauen sollte und man zudem einige Dinge im Umgang mit Tierärzten beachten muß, wenn man seinem Tier bestmöglich helfen möchte.

Wer solch eine Krankheits- bzw. Tierarzthistorie hinter sich hat wie wir, wird wahrscheinlich auch zu dem Schluß kommen, daß prinzipiell jede tierärztliche Aussage nicht bedingungslos zu schlucken ist, sondern kritisch hinterfragt bzw. auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden muß, da sehr häufig Diagnosen überstürzt gestellt werden oder einfach ins Blaue gehen. Mancherorts kommt man sich vor wie bei der Massenabfertigung, und man nimmt sich nicht genügend Zeit, um wirklich alles zu beleuchten, was von Bedeutung sein könnte.
Wem diese Hinweise zu trivial sind, der muß ja nicht weiterlesen, sondern darf sich freuen. Bei meinen diversen Besuchen von Internet-Foren habe ich jedoch festgestellt, daß etlichen Tierhaltern viele dieser Tips anscheinend nicht unbedingt bekannt waren...

1) Nicht lange abwarten
Wenn Sie das Gefühl haben, daß mit Ihrer Katze etwas nicht stimmt oder sie krank ist, warten Sie nicht lange, sondern suchen Sie so bald wie möglich den Tierarzt Ihres Vertrauens auf.
Lieber umsonst zum Tierarzt fahren, als so lange zu warten, bis es zu spät ist.


2) Tierärzte sind Menschen und keine Halbgötter
Dies trifft übrigens auch auf die "Menschenärzte" zu. Das soll heißen: Diagnosen, die gestellt werden, sind prinzipiell immer in Frage zu stellen und nie als bare Münze zu nehmen.

Womit wir beim nächsten Punkt wären:


3) Diagnosen
Es gibt anscheinend Tierärzte, die den diagnostischen Weg scheuen. Da wird einfach etwas ausprobiert, in der Hoffnung, daß es schon helfen wird.
Bekannten von uns wurde geraten, ihrer Katze ein Auge zu entfernen. Auf die Frage, ob das wirklich sein muß, kam tatsächlich die haarsträubende Antwort: "Dann müssen wir aber den diagnostischen Weg gehen."
Oftmals werden auch einfach aufgrund von vermuteten Krankheiten Medikamente verschrieben. Wenn sie wirken, prima. Wenn nicht, wird halt etwas anderes ausprobiert.

Womit wir zu Diagnosen der schwerwiegenden Art kommen:


4) “Todesurteile” und schwerwiegende Fehldiagnosen
Wenn man Ihnen sagt, daß Ihre Katze eine unheilbare Krankheit hat, und diese leidet im Moment nicht gerade offensichtlich unter schlimmen Schmerzen oder macht auch sonst nicht den Eindruck, innerhalb der nächsten Stunden zu sterben, nehmen Sie sich ihren Gefährten, und bringen Sie ihn zu einem anderen Tierarzt, um eine zweite Meinung zu hören. Falls Sie in einer Tierklinik sind, bei der mehrere Ärzte sich beraten können, zählt dies nicht (!) als zweite Meinung, da sich manche Kollegen unter Umständen durchsetzen und die anderen einfach zustimmen.

Ich berufe mich hierbei ausdrücklich auf eigene Erfahrungen. Bei unserem Spock hieß es nach einem Ultraschall, er hätte einen "hochgradig verdichteten Tumor" und es wurde uns dringend geraten, ihn einschläfern zu lassen (obwohl er keinerlei Schmerzen hatte); zudem sollten wir uns mit unserer Entscheidung nicht allzu lange Zeit lassen, da es keinerlei Hoffnung für ihn gäbe.
Als ich ihn von der Tierklinik abholte, sagte mir eine Tierärztin - unter vier Augen -, daß sie manches anders sieht als ihre Kollegin! Hätte ich eine Stunde zuvor am Telefon "grünes Licht" gegeben, wäre alles zu spät gewesen.

In der anderen Tierklinik wurde die Diagnose "Darmkrebs" nicht bestätigt. Dort vermutete man mit einer Wahrscheinlichkeit von 90%, daß er FIP hätte. Da der behandelnde Tierarzt sagte, daß er in über 15 Jahren erst einen FIP-Fall hatte, und das gerade mal vor 2 Wochen, keimte in mir sofort der Verdacht auf, daß der Tierarzt von diesem Fall in Bezug auf seine Erwartungshaltung möglicherweise beeinflußt war.
Kurze Zeit später stellte sich heraus, daß Spock tatsächlich kein FIP hat.
Das war also das zweite falsche Todesurteil innerhalb von wenigen Tagen. Dem zweiten Tierarzt muß ich allerdings zugute halten, daß er nur von einer "Wahrscheinlichkeit" sprach. Die erste Tierklinik fällte jedoch ein hundertprozentiges Todesurteil mit Einschläferungshinweis - und diese Diagnose war falsch, wie sich später herausstellte.

Weiteres Beispiel: Ein Hundehalter ging mit seinem ca. 8 Monate jungen Hund, der lahme/steife Vorderbeine hatte, zur Tierklinik. Dort sagte man ihm, daß der Hund wohl für immer gelähmt sei, und er solle sich "überlegen, was er machen will" (was ein Euphemismus für ein Vorschlag zum Einschläfern ist). Auch dieser Mann hörte glücklicherweise nicht darauf, sondern nahm seinen Hund mit und ging gleich zu einer anderen Tierklinik. Dortige Diagnose: "Der hat nur die Beine verstaucht und kann bald wieder richtig laufen." Es stimmte...

Und so findet man im Internet auch Berichte über Katzen, die angeblich ihr Leben lang Asthma haben werden, aber eigentlich doch nur eine Erkältung hatten und viele andere haarsträubende Fehldiagnosen.

Aber: Wenn Ihr Kätzchen ganz offensichtlich unerträgliche Schmerzen hat, herumtorkelt und/oder andere Anzeichen hat, daß das Ende naht, sollten Sie es nicht quälen, sondern es von seinem Leid erlösen. Die obigen Beispiele handeln von Tieren, die zwar offensichtlich krank waren, aber die nicht so wirkten, als hätte jeden Moment ihr letztes Stündlein geschlagen.


5) Fragen stellen
Sträuben Sie sich nicht, dem Tierarzt jede Frage zu stellen, die Ihnen auf dem Herzen liegt. Wenn er etwas sagt, das Sie nicht kapieren, haken Sie nach - es könnte tatsächlich Ihrem Freund das Leben retten. Schließlich bezahlen Sie ja auch Geld, und da können Sie auch Leistung erwarten.

Schreiben Sie sich die Fragen - sofern möglich - vorher auf, damit Sie nichts vergessen oder übersehen. Sollte dies doch der Fall sein, rufen Sie in der Praxis an, um nachzufragen. Lieber nerven und vielleicht dem Tier dadurch helfen als schweigen...


6) Auf Kleinigkeiten achten
Wenn Ihr Tier krank ist, beobachten Sie es genau und regelmäßig. Auch wenn Sie das Gefühl haben, paranoid zu sein, so kann jedes kleine Anzeichen von entscheidender Bedeutung sein.
Merkwürdige Fressgeräusche können auf ein Darmproblem oder eine Entzündung im Mund hinweisen, eine veränderte Stimme kann ein Anzeichen sein, daß sich Flüssigkeit in der Lunge befindet, gelbliche Schleimhäute sollten die Alarmglocken läuten lassen, da sie auf ernste Leberprobleme hinweisen können oder wenn Ihr Tier in letzter Zeit einen auffällig schlechteren Atem hat als sonst, sollten Sie das nicht einfach so vergessen, sondern aufmerksam werden. Das sind nur einige Beispiele. Wenn Ihr Tier krank ist, kann jede Verhaltensänderung von Bedeutung sein. Und gerade hierbei gilt: Sagen Sie es dem Tierarzt. Falls der Sie mit einer Antwort abspeisen will, von der Sie nicht so recht überzeugt sind: nachhaken! Auch wenn Sie das Gefühl haben, dem Tierarzt auf die Nerven zu fallen. Selbst wenn es so wäre: Besser jemandem auf die Nerven zu fallen, als das Leben seines Lieblings zu riskieren.


7) Mitschreiben
Ob zu Hause oder beim Tierarzt - schreiben Sie mit, machen Sie sich Notizen. Notieren Sie den Krankheitsverlauf in einer Tabelle mit Datum, Uhrzeit, Ereignissen, Verhaltensweisen, Freßverhalten usw. Fügen Sie die Spalten ein, die Sie im Bezug auf die Krankheit für relevant halten.
Manch ein Tierarzt ist dankbar für ausführliche Informationen.


8) Aktive Mitarbeit
Da Ihnen spätestens jetzt klar sein sollte, daß Tierärzte keine Halbgötter sind, sondern nur normale Menschen mit einer entsprechenden beruflichen Ausbildung, rate ich Ihnen, sich selbst über die in Frage kommmende Krankheiten/Diagnosen/Behandlungsmethoden auf Internet-Seiten, in Foren und an anderer Stelle zu informieren. Wikipedia, Google und Co. sind Ihre Freunde...

Auch eine Quelle allein reicht nicht aus: Sammeln Sie so viele Infos wie möglich. Gute Englischkenntnisse sind von Vorteil, da man zu bestimmten Krankheiten wesentlich bessere Web-Seiten auf Englisch findet.
Und es ist nicht selten, daß manche Leute im Internet bei ausgefallenen Krankheiten besser informiert sind, als so mancher Tierarzt.
Drucken Sie nötigenfalls bestimmte Seiten, und nehmen Sie das Blatt beim nächsten Besuch mit, um Fragen zu stellen.


Diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll einfach wichtige Tips geben, wie man einem kranken Tier besser/effektiver helfen kann.

Haben Sie Vorschläge zur Vervollständigung dieser Liste? Dann schicken Sie einfach eine E-Mail an diese Adresse.     

 

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